Fetter Sound

Wir haben die fränkischen Musiker Bambägga im Studio bei den Aufnahmen für ihr neues Album getroffen – und es macht Lust auf mehr!

Freitagnachmittag in Viereth-Trunstadt, sommerliche Wochenend-Stimmung. Es ist ruhig in der 3600-Seelen-Gemeinde nahe Bamberg. Doch gleich dreht hier jemand seine Musik voll auf: Bambägga nehmen bei ihrem Produzenten Alexander Döbereiner alias Scratch Dee im Studio Pyromusic einen neuen Song für ihr Album auf. Bereits erschienen sind frische Lieder wie „Nauswärts“, „Insel Einsam“ oder „Freigeist“, an dem Tag steht ein neuer Song auf dem Plan: „Mukke bleibt“ – ein Lied über das, was Musik mit einem macht. „Ich rede mit meinen Kindern viel über Musik und darüber, wie wichtig sie im Leben ist, dass bestimmte Songs Erinnerungen wecken und Emotionen hervorrufen können. Dieses Gefühl versuche ich mit diesem Song „Mukke bleibt“ auszudrücken“, erzählt Jonas Ochs, Sänger von Bambägga. Er sitzt gerade noch auf der Couch im Studio und klärt noch alles Wichtige mit seinem Produzenten Scratch Dee, der schon bereit am Mischpult sitzt. Sie hören sich die Musik an, die ihnen einer ihrer „Beatmaker“ (Komponisten für Hiphop-Beats) komponiert hat. „Die Musik zu dem Song kommt handgemacht von unserem Ralle“, erklärt Jonas. Scratch Dee ergänzt: „Das Besondere an Bambägga ist, dass sie mit Leuten wie Ralle zusammenarbeiten, die noch altmodisch in Plattenläden gehen und sich Musik raussuchen, die sie für ihre Beats verwenden und abmischen können. Das ist alles einzigartig und bekommt man nirgendwo sonst zu hören.“

Ein kleiner schalldichter Raum mit einem Mikrofon in der Mitte

„Wollen wir starten?“ Jonas geht in den Nebenraum, das Aufnahmestudio: ein kleiner schalldichter Raum mit einer Couch am Rand und einem Mikrofon in der Mitte. Jonas zieht sich die Kopfhörer an und kann schon seine Musik hören, zu der er später rappen soll. Er legt sich seinen Text auf einem Notenständer. „Eigentlich“, erklärt er, „sind meine Texte handgeschrieben, aber ich ändere dann so viel ab, dass ich den Text am Ende sauber auf dem PC abtippe.“
„Bereit?“, fragt sein Produzent über das Mikrofon. „Bereit.“ Jonas legt los und fängt an, seinen Song zu rappen: „…. Die Melodie aus Bass und Beat, die Soundästhetik meiner Jugend …“. Ab und zu muss er etwas nochmal neu aufnehmen, aber schließlich ist er schnell fertig. Scratch Dee ist zufrieden: „Jonas ist inzwischen so eingespielt und routiniert, dass er oft nach dem ersten Mal fertig ist.“ Das liegt aber auch an Jonas„ besonderem Ritual vor jeder Aufnahme: „Mein Ritual besteht darin, dass ich vor jeder Aufnahme auf den Sportplatz von Viereth-Trunstadt fahre und eine dreiviertel Stunde unter der Brücke meine Texte rappe. Ich brauche das, weil ich vor jeder Aufnahme so extrem aufgeregt bin wie vor einem Livekonzert.“ Scherzend fügt er hinzu: „Der Trainer vom Viereth-Trunstädter Sportverein kennt all unsere Songs noch vor der Veröffentlichung.“

Endlich wieder raus

Wie war das Corona-Jahr für Bambägga? „Wir hatten eigentlich bereits im Oktober 2019 das Album „Brot und Spiele“ veröffentlicht, hatten eine große Release-Party, 40 Konzerte geplant, wollten auch wieder nach China, dann hat uns aber Corona ein Strich durch die Rechnung gemacht“, erinnert sich Jonas. Doch Stille ist nichts für die Band: Sie waren unterwegs, haben Hiphop-Seminare in Altenheimen gegeben, haben über das Goethe-Institut für deutschlernende Jugendliche aus Taiwan oder China Videos übers Essen oder Kochen gedreht, haben neues Material produziert. „Mit Cony habe ich mich letztes Jahr für eine Woche in Berlin in eine Ein-Zimmer-Wohnung eingemietet, um neue Songs zu schreiben. Das könnte man auch online machen, aber es fehlt unsere wortlose Interaktion, die am besten live funktioniert. Wir wissen sofort voneinander, was der andere über den eigenen neuen Text hält“, so Jonas über die Vertrautheit untereinander. Unter anderem entstand 2020 der neue Song „Nauswärts“, eine musikalische Vorfreude an die Zeit nach dem Lockdown. Das Besondere an dem Song: „Mit „Nauswärts“ haben wir es ins Seuchenmuseum ins Fichtelgebirge geschafft. Der läuft da jetzt in Dauerschleife“, erklärt Jonas Ochs. Er lacht. „Ich hätte nie gedacht, dass man sowas mal erreichen kann. Verrückte Zeit.“ Jetzt freuen sie sich, dass endlich wieder Konzerte möglich sind. Gerade machen sie eine Frühschoppen-Tour durch Oberfranken. „Langsam trudeln die Anfragen ein. In München ist unter anderem ein Corona-konformes Hiphop-Festival geplant“, sagt Jonas. Doch die Planungen sind vorsichtig. „Alle blenden noch den Herbst aus.“

2021-09-13T11:52:11+02:00 18. Juni 2021|Regional|